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Making of … Engelsblut

Cover Engelsblut

Ein Künstler, der Engel malt, und das nicht mit gewöhnlichem ‚Material’, sondern mit dem Blut von Menschen, die ihm hoffnungslos ergeben sind – das war eine sehr spontane Romanidee. Ich war damals neunzehn Jahre alt, als mir zum ersten Mal dieser Einfall kam – so weit ich mich erinnern kann in einer sehr alltäglichen Situation (so wie Zähneputzen, Wäschewaschen oder Geschirr abtrocknen ja meistens die optimalen Rahmenbedingungen für einen momentanen Kreativitätsschub sind).

In den folgenden zwei, drei Wochen entstand damals eine etwa 50seitige Novelle über den Maler Samuel Alt, dessen Leben aus der Perspektive der ihm treu ergebenen Lena beschrieben wird – einer einfache Magd, die dem ausnehmend schönen Künstler verfällt und ihn am Ende erlöst.

Über viele Jahre blieb diese Geschichte in der Schublade liegen, wenngleich ich sie nie ganz vergaß. Im Laufe meines Theologie-, Philosophie und Geschichtsstudium beschäftigte ich mich mit vielen Themen, die sie indirekt bereichern würden. Obwohl ich nicht daran schrieb, wuchs der Roman in meinem Kopf weiter: Er bekam biblische Züge, freilich in pervertierter Form (nicht zuletzt um der Heilsgeschichte Christi die Unheilsgeschichte des Samuel Alt gegenüber zu stellen). Auch wurde er zunehmend politischer (so ist die Kunst in meinem Buch letztlich kein eigenständiges Thema mehr geblieben, sondern mehr und mehr ein Vehikel geworden, um die Gefahren der zunehmenden Ideologisierung einer zu Beginn noch harmlosen Gemeinschaft zu beschreiben). Schließlich entschied ich mich dafür, die Geschichte im 19. Jahrhundert anzusiedeln und begann intensiv über diese Zeit zu recherchieren.

Eine neue Version entstand, die ich mehrmals umgeschrieben habe. Figuren, die in der Urfassung fehlten – so z.B. Simon Grothusen – spielten eine zunehmend tragendere Rolle und „reiften“ von Fassung zu Fassung. Als ich nach Frankfurt übersiedelte lernte ich die Künstlerkolonie Kronberg (im Roman Cronberg) kennen – und war von diesem kleinen Taunusstädtchen so beeindruckt, dass ich gleich mehrere Kapiteln des Romans dort ansiedelte.

Anders als bei den folgenden Büchern, bei denen ich mehr Routine und Erfahrung mitbrachte, war das Verfassen von „Engelsblut“ ein jahrelanger Prozess, in dessen Verlauf ich mehr als nur einmal das Konzept umgestoßen, viele Szenen des öfteren geschrieben, manchen Protagonisten neu erfunden und dann wieder verworfen habe. Die Arbeit hat sich gelohnt: Im April 2004 war das Manuskript fertig und schon wenige Monate später bekam ich vom btb-Verlag ein Vertragsangebot.