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Making of … Meisterin der Runen

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Auswahl wissenschaftlicher Literatur zum Thema:
Bücher über die Normannen
David Bates: Normandy before 1066, Cambridge 1982
Pierre Bauduin, Régine Le Jan: La première Normandie (Xe-XIe siècles) – Sur les frontières de la haute Normandie: identité et construction d’une principauté, Caen 2004
Richard Allen Brown: Die Normannen, Düsseldorf 2004
Jacques Choffel, Mais ou sont les normandes d’antan, Paris 1990
Nicola DiMauro: Die Normannen, Berlin 2007
Gustav Faver, Die Normannen: Piraten, Entdecker, Staatengründer, München 1976
Elizabeth van Houts: The Normans in Europe, Manchester 2000
François Neveux: La Normandie des ducs aux rois (Xe-XIIe siècle), Rennes 1998
François Neveux, Claire Ruelle: L’Aventure des Normands (VIIIe-XIIIe siècle), Rennes 1990
Michael Planchon: Quand la Normandie était aux Vikings, Paris 1978
Alheydis Plassmann: Die Normannen, Stuttgart 2008
Jean Renaud: Les Vikings en France, Rennes 2000
Jean Renaud: Les Vikings et la Normandie, Rennes 1989
Trevor Rowley: Die Normannen, Essen 2003
Bücher über die Wikinger
Konrad Hansen (Hrsg.): Die Welt der Wikinger, Hamburg 2002
Arnulf Krause: Die Welt der Wikinger, Frankfurt 2006
Magnus Magnusson, Werner Forman: Der Hammer des Nordens – Mythen, Sagas und Heldenlieder der Wikinger, Freiburg 1977
Rudolf Simek: Die Wikinger, München 2000
Speziell zu „Meisterin der Runen“
Jacques Choffel: Richard sans Peur, Duc de Normandie, Rouen 1999
Elisabeth van Houts, Countess Gunnor of Normandy, Collegium Medievale, 12, 1999
Edred Thorsson: Nordische Magie – Schamanismus und die Runengeheimnisse, Königsfurt 2012

Als ich mich erstmals mit den Wikingerüberfällen auf Nordfrankreich beschäftigte, war es vor allem das Schicksal der fränkischen Prinzessin Gisla – zum Zweck eines Friedensbündnisses wurde sie mit Rollo, dem Anführer der Nordmänner, verheiratet -, das mich in den Bann zog.

Rasch war klar: Ich würde über sie einen Roman schreiben, womit der Plot der „Tochter des Nordens“ geboren war. Dass dieser Roman zugleich Auftakt einer Trilogie sein würde, war hingegen eine Idee, die erst nach vielen weiteren Recherchen, mehreren Frankreichurlauben, vor allem aber aufgrund der Einsicht entstand, dass die Geschichte der frühen Normandie noch viele andere spannende Frauenfiguren parat hält.

Da sind zum einen Sprota, die Konkubine von Wilhlem Langchwert, dem zweiten Grafen der Normandie, und Gerloc, dessen Schwester, deren Schicksal sich der zweite Band „Kinder des Feuers“ widmet. Und da ist schließlich Gunnora, ohne Zweifel die am politisch einflussreichste Frau unter den ersten „Normanninnen“. Sie stieg an der Seite von Richard I., genannt „ohne Furcht“, zur Herzogin der Normandie auf und übernahm später für einige Jahre die Regentschaft für ihren Sohn Richard II..

Bereits die wenigen gesicherten Fakten ergeben ein reizvolles Bild: Demnach war Gunnora eine kluge, selbstbeherrschte, stolze Frau mit außergewöhnlichem Gedächtnis, die einer Chronik über die ersten Herrscher der Normandie durch ihre Erzählungen Nahrung gab, die Klöster und Kirchen stiftete und die sich für die Versöhnung der nordischen und fränkischen Kultur stark machte.

Dazu kommen Legenden, von denen besonders eine meine Fantasie beflügelt hat: Sie berichtet davon, wie Herzog Richard sich während einer Jagd im Wald verirrte, Unterschlupf in der Hütte eines Waldhüters fand und Gefallen an dessen Frau, Seindfreda, fand. Doch es war nicht diese, sondern ihre Schwester Gunnora, die nachts in sein Gemach schlich und sein Herz eroberte. Am nächsten Morgen begleitete sie ihn nach Rouen, übernahm dort die Haushaltsführung, wurde Mutter seiner Kinder und schließlich seine Ehefrau und Herzogin. Ob die Geschichte vom „Tausch der Schwestern“ einen wahren Kern hat, kann man nicht sagen – für mich war sie in jedem Fall zu schön, um darauf zu verzichten.

Wenn man einen Roman schreibt, will man natürlich auch etwas dichterische Freiheit haben, umso mehr, wenn man das Schicksal einer historischen Persönlichkeit mit dem fiktiver Figuren verwebt – in diesem Fall ist das Alruna, die Tochter von Mathilda und Arvid aus „Kinder des Feuers“. So kam es mir sehr zupass, dass – unabhängig besagter Eckdaten und Legenden – die Herkunft von Gunnora weitgehend im Dunkeln liegt.

Man weiß lediglich, dass sie drei Schwestern hatte – die schon erwähnte Seinfreda, sowie Duvelina und Wevia -, und dass sie dänischer Abstammung war – ein Grund, warum die Heirat mir ihr die Versöhnung Richards mit den in seinem Rechen lebenden heidnischen Dänen vorantrieb. Ich verstärkte dieses Motiv, indem ich Gunnora zu einer Symbolfigur jenes „clash of zivilisations“ machte, der sich damals im nördlichen Frankreich zutrug: Zunächst eine Repräsentantin der nordisch-heidnischen Kultur – gar eine „Meisterin der Runen“, die über die Bedeutung der Runen Kenntnis hatte und sie nutzte, um Kranke zu heilen, Frauen fruchtbar zu machen oder für eine gute Ernte zu sorgen -, gibt sie nach und nach ihr Erbe auf, stellt sich den Anforderungen einer neuen Zeit und passt sich der christlich-fränkischen Kultur an.

Nicht in den Bereich von Legenden zu verweisen, sondern eine historische Tatsache ist, dass Gunnora durch ihren vielen Kindern gute Partien verschaffte und somit Ahnfrau etlicher europäischer Herrschaftshäuser wurde. Eine ihrer berühmtesten Nachfahrinnen ist Emma. Im vorliegenden Roman tritt sie nur als Kind auf, aber später wird sie als Gattin zweier Könige das Geschick Englands maßgeblich beeinflussen. Aber das ist eine andere Geschichte, die den Boden der Normandie endgültig verlässt …