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Schauplätze – Grimaldi

Fotos von Recherchereisen mit Originalzitaten aus dem Roman

Monaco

„Viele Halbinseln ragten zwischen Ventimiglia und Nizza tief ins Meer, manche glichen den dürren Finger eines Alten, manche der geballten Faust eines jungen Mannes, manche dem Schild, hinter dem sich der Krieger vor der Welt versteckt. Kein Felsen jedoch war schroff wie jener, der sich vor dem Mont Agel aus dem Meer erhob. Dieser Felsen trug viele Namen. Portus Herculaneum hatten die Römer den Hafen in seinem Schatten genannt, noch länger sprach man von ihm als Monaco, weil die Phönizier Herkules – jenem Halbgott, der auf einer seiner zahlreichen Reisen hier verweilt hatte – den Beinamen Menouakh gegeben und die Griechen diesen mit Monoikos übersetzt hatten. Die Seeleute aber sprachen meist nur vom Felsen.“

Villefranche

„Eigentlich konnte man Villefranche – von einer Landzunge von Nizza getrennt, von einem etwas längeren Stück zerklüfteter Küste von Monaco -, noch keine richtige Stadt nennen. Es gab erst wenige Häuser, auf einen steilen Hang hingeworfen, von dem sie eines Tages womöglich wieder rutschten würden und ansonsten nur eine große Baustelle, da Charles von Anjou den Befehl erlassen hatte, hier eine Burg zu errichten.“

Èze

„Auf einem Felsen, fast so steil wie Monaco, glich dieses Dorf einem Adlernest – schien folglich für Wesen vorgesehen zu sein, die fliegen konnten.“

Das Tropaeum Augusti in La Turbie

„Unter den Ranken schliefen alte Mauern, Heiligtümer vergessener Gottheiten, Denkmäler toter Sieger. Die größte Ruine war das Tropaeum Augusti, das die Römer nach ihrem Sieg über die Gallier errichtet hatten. Einst hatte das Gebäude schon von weiter Ferne an den Triumph der Römer gemahnt – nun waren davon nur drei heile Wände geblieben.
‚Das Tropaeum mag halb zerfallen sein‘, sagte Nello, ‚immerhin aber erinnert der Stein an die Sieger von damals, während von den Unterlegenen gar nichts geblieben ist. Stein ist nützlicher … langlebiger … mächtiger als Tränen.'“

Ventimiglia

„Ventimiglia ist eine Stadt am Meer, nicht weit von hier, die sehr reich ist und sehr alt. Die Krypta und das Baptisterium der Kathedrale Santa Maria Assunta gibt es schon seit vielen hundert Jahren, und ebenso lange lebte meine Familie dort. Aber lange zu leben … lange zu herrschen … es schützt dich nicht.“

Sainte-Agnès

„Auf Sainte-Agnès verlernt man zu träumen – von den schönen wie von den hässlichen Dingen. Wenn man von dort oben Richtung Meer blickt, scheint dieses mit der Küste zu verschmelzen, und wenn man Richtung Berge blickt, scheinen die mit dem Himmel zu verschmelzen. An den meisten Tagen bleibt alles ein dunstiges Einerlei. Nur wenn die Sonne kräftig scheint, heben sich die Olivenhaine silbrig von den Bergweiden ab, die steilen Kalkwände von den Wäldern. Doch selbst wenn sich die Welt in einem bunten Kleid zeigt – in Sainte-Agnès erfährt man wenig von ihr. Es gibt viele Festen im Hinterland der Ripa Maris, wie man jene Küste vor den Seealpen nennt. Aber keine ist auf einem so hohen Berg errichtet worden wie Sainte-Agnès.“

Cagnes-sur-Mer

„Das Tal von Var hatte einst die Grenze der Provence gebildet, und obwohl die Grafschaft mittlerweile ein viel größeres Gebiet umfasste, standen dort immer noch zahlreiche Burgen und Befestigungen. Etliche waren aus Steinen errichtet worden, die noch von Bauwerken der Römer stammten – und diese waren es auch gewesen, die die Orte an jenem Küstenstreifen verschiedenen Gottheiten geweiht hatten. In Cagnes, nun im Besitz der Grimaldi, war einst die Göttin Venus verehrt worden, auch wenn es schwer vorstellbar schien, dass diese sich hier hätte heimisch fühlen können. Cagnes war kein Ort der Lust und Liebe. Es war umgeben von einer dicken Mauer, die die Bevölkerung vor über einem Jahrhundert errichtet hatte, auf deren Wehrgang regelmäßig Wachen patrouillierten und hinter deren Schießscharten Bogenschützen standen. Die Mauer hätte eigentlich dem Zweck dienen sollen, fremde Mächte fernzuhalten, und doch war vor wenigen Monaten Raniero Grimaldi durch das Westtor geritten – mit der Erlaubnis von Robert von Anjou. Daher hatten ihn die Bewohner von Cagnes auch nicht wieder wegschicken können. Ebenso wenig wie sie sein Ansinnen ignorieren konnten, auf dem höchsten Punkt des Hügels eine Burg zu errichten.“

Roquebrune

„Die Feste Roquebrun war nach den braunen Felsen benannt, die sie umgaben. Im Abendlicht nahmen sie manchmal einen rötlichen Ton an, als würden sie brennen. Im Grunde bestand sie aus kaum mehr als dem mächtigen Turm, der sich grau von den braunen Felswänden abhob, der Mauer, die sich diesem anfügte, und einem schlichten Gebäude, indem sich die Unterkunft des Kastellans – des Verwalters der Burg – befand, außerdem das Gefängnis und die Waffenkammer. Die Wände der Mauer waren teilweise verwittert und von Efeu überwuchert – ein Zeichen, wie alt die Burg war: Schon vor mehreren hundert Jahren hatten sie die Herren von Ventimiglia errichtet. Carlo Grimaldi hatte sie diesen erst vor wenigen Jahren abgekauft, bislang aber nicht die Gelegenheit gehabt, sie weiter auszubauen. Wahrscheinlich wirkte sie im Inneren so ärmlich und unfreundlich wie von außen betrachtet, und es gab noch nicht einmal einen Kamin, nur eine offene Feuerstelle.“