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Schauplätze der Bücherdilogie

Ich lebe seit 2001 in Frankfurt am Main – folglich gibt es keine andere deutsche Stadt, die ich derart gut kenne. Im Zuge der Recherchen für meine Dilogie habe ich jedoch viele Orte neu entdeckt oder zumindest neu kennengelernt. Im Folgenden stelle ich ein paar jener Schauplätze vor, die für das Leben von Ella und Luise Reichenbach, meine beiden Protagonistinnen, entscheidend sind.

Bockenheim

Im Frankfurter Stadtteil Bockenheim befindet sich das Bücherreich – die Verlagsbuchhandlung der Familie Reichenbach. Das inoffizielle Wahrzeichen ist die Bockenheimer Warte – einer der Wachttürme der Landwehr, die im 15. Jahrhundert errichtet worden sind. Während der Bombardierungen im 2. Weltkrieg wurde das Viertel massiv zerstört – zwischen riesigen Trümmerhaufen fanden sich nur dann und wann “Amis Webfehler”, wie jene Häuser genannt wurden, die nicht eingestürzt waren.

Höchst

Von meiner Wohnung aus bin ich zu Fuß in einer guten Stunde in der Altstadt von Frankfurt-Höchst – und das ist ein Marsch, den ich sehr gern zurücklege, lässt deren Anblick doch mein Historikerinnenherz immer höher schlagen. Nicht nur das war ein Grund, warum ich einen Teil der Handlung (nämlich jene Szenen, die bei Ella und Luise Reichenbachs Großeltern spielen) dort angesiedelt habe. Entscheidend war auch, dass das Viertel während des Krieges weitaus weniger Bomben abbekam – weswegen es ein sicherer Hort für einen geheimen Papiervorrat sein konnte.

Der Eiserne Steg

Das Bild, das sich heute vom eisernen Steg aus auf die Alststadt bietet, hat rein gar nichts mit dem Ausblick unmittelbar nach dem Krieg gemein. Damals waren fast 90 Prozent der Altstadt völlig zerstört. Der Eiserne Steg war übrigens eine der ersten Brücken Frankfurts, die nach dem Krieg wiederhergestellt und während einer feierlichen Zeremonie im November 1946 von Bürgermeister Kolb eingeweiht wurde.

Frankfurter Dom

Das Bild, das sich heute vom eisernen Steg aus auf die Alststadt bietet, hat rein gar nichts mit dem Ausblick unmittelbar nach dem Krieg gemein. Damals waren fast 90 Prozent der Altstadt völlig zerstört. Der Eiserne Steg war übrigens eine der ersten Brücken Frankfurts, die nach dem Krieg wiederhergestellt und während einer feierlichen Zeremonie im November 1946 von Bürgermeister Kolb eingeweiht wurde.

Paulskirche

Die Frankfurter Paulskirche ist in vielfacher Hinsicht ein geschichtsträchtiger Ort – hier tagten z.B. von 1848 bis 1849 die Delegierten der Frankfurter Nationalversammlung. Was weitaus weniger bekannt war: 1949 fand die erste Frankfurter Buchmesse nach dem Krieg in der Paulskirche statt, und damit löste Frankfurt Leipzig endgültig als “deutsche Bücherstadt” ab.

Zeilsheim

Das Displaced-People-Camp in Frankfurt-Zeilsheim ist ein zentraler Schauplatz des ersten Bands meiner Dilogie. Hier fanden viele Shoah-Überlebende vor allem aus Polen nach dem Krieg Unterschlupf, um auf ihre Weiterreise nach Palästina oder den USA zu warten. Es wurde zum Zentrum jüdischen Lebens, sozusagen eine jüdische Stadt in Frankfurt, in der nach Jahren des Grauens wieder so etwas wie Normalität einkehrte – nicht zuletzt dank Bildungs-, Kultur-, Sport- und Ausbildungsstätten. Heute erinnert nur mehr eine Gedenktafel daran.

Römer

Der Frankfurter Römer – das Rathaus, das seit dem 15. Jahrhundert existiert – ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Im ersten Band meiner Dilogie erwähne ich den ersten Weihnachtsmarkt nach dem Krieg, der auf dem Platz  davor stattgefunden hat: In den Buden gab es zwar kaum etwas zu kaufen, immerhin aber Äpfel mit Zuckerguss, und ein Karussell war ebenfalls im Betrieb. Im zweiten Band ist der Römerberg jener Ort, wo häufig Abschlusskundgebungen der Studentendemos stattfinden – nicht immer friedlich.

Bürgerhaus Gallus

Im Bürgerhaus Gallus wurden im August 1965 die Urteile im ersten Auschwitzprozess gesprochen. Begonnen hatte der Prozess 1963 im Frankfurter Rathaus, dessen Räumlichkeiten aber rasch zu klein wurden. Es war der größte Strafprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte, in der sich erstmals deutsche SS-Männer für ihre Verbrechen im Vernichtungslager Auschwitz verantworten mussten. Im zweiten Teil meiner Dilogie kommt es während der Urteilsverkündung zu einem entscheidenden Wiedersehen …

Campus Bockenheim

Die Frankfurter Uni war ein Zentrum der 68er Studentenrevolte, die ein zentrales Thema des zweiten Bands meiner Dilogie ist. Der Campus Bockenheim mit dem Studierendenhaus, wo wichtige Veranstaltungen stattfanden, das Walter-Kolb-Studentenheim am Beethovenplatz, in dessen Keller oft gefeiert und noch öfter diskutiert wurde, oder das Institut für Sozialforschung, wo die “geistigen Väter” der Studentenbewegung – Max Horkheimer und Theodor W. Adorno – lehrten, sind deshalb wichtige Schauplätze.

Henninger Turm

Im Henningerturm in Sachsenhausen – im Bild ganz rechts zu sehen – befand sich in den 60er-Jahren ein Drehrestaurant, von dem aus man nicht nur den Blick über die Stadt, auch über den Taunus und den Spessart genießen konnte. Hier findet im zweiten Teil meiner Dilogie eine wichtige Begegnung statt.
Als ich 2001 nach Frankfurt zog, war der Turm, den die Frankfurter gerne Silo nennen, für mich ein wichtiger Orientierungspunkt, befand sich meine erste Wohnung doch gleich in der Nähe. 2013 wurde er abgerissen und ein neuer Turm errichtet – und auch in diesem gibt es wieder ein Restaurant. Allerdings: Es dreht sich nicht mehr …

Zeil

Die Zeil ist Frankfurts größte Einkaufsstraße. Ihr Aussehen hat sich seit den 60er-Jahren stark verändert – dort, wo sich heute die Galeria Kaufhaus befindet, ging man damals im Kaufhaus M. Schneider ein und aus. Bekannt wurde es in der ganzen Bundesrepublik im April 1968, als dort vier junge Linksaktivisten, darunter Andreas Baader und Gudrun Ensslin einen Brand legten – als Ausdruck ihres Protests gegen Vietnamkrieg und Kapitalismus. Auch wenn die Radikalisierung der künftigen Terroristen ein längerer Prozess war, der sich nicht auf ein singuläres Ereignis reduzieren lässt, so war dieses doch ein entscheidendes auf dem Weg zur RAF.

Nied

Im Eisenbahnerviertel von Nied lebe ich seit 2008 – und hierhin verschlägt es im zweiten Band meiner Dilogie auch Luise Reichenbach. Ihr Freund Thilo nimmt sie zu einm Abendessen bei seinen Eltern mit, die in einem der grünen Reihenhäuser wohnen. Bis heute lassen sie die Siedlung ungemein idyllisch wirken – doch in meiner Fiktion birgt zumindest dieses ein dunkles Geheimnis.

Gedenkstätte Börneplatz

Am Börneplatz stand eine der vier großen Frankfurter Synagogen. Während der Novemberpogrome 1938 („Reichskristallnacht“) wurde sie vom Mob in Brand gesetzt. Obwohl relativ bald nach dem Krieg – 1946 – eine Gedenktafel angebracht wurde, wurde das Areal lange Zeit als Parkplatz benutzt, der benachbarte jüdische Friedhof war völlig verwildert. Obwohl es schon in den 60er-Jahre erste Bemühungen zur Errichtung einer Gedenkstätte gab, entstand selbige erst 1996. 11.908 Namensblöcke erinnern seitdem an alle bekannten Frankfurter Opfer der Schoah.