Die westlichen Inseln Schottlands waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Welt jenseits der europäischen Zivilisation. Die Menschen lebten hier in bitterster Armut, hatten kaum Zugang zu Bildung, glaubten noch an Elfen und bekämpften Kinderkrankheiten mit Whisky und eiskaltem Wasser.
Doch immer wieder gab es Versuche, an diese entlegenen Orte die Errungenschaften der Moderne zu bringen, um das alltägliche Leben zu erleichtern. Das geschah einerseits durch den systematischen Bau von Leuchttürmen, wie ihn die schottische Leuchtturm-Kommission „Northern Lighthouse Board“ vorantrieb, um Schiffs- und Bootsunglücke maßgeblich zu minimieren. Einer der entlegensten befand sich auf Barra Head – die südlichste Insel der Äußeren Hebriden.
Andererseits wurde das „Highlands and Islands Medical Service“ gegründet, um eine flächendeckende medizinische Versorgung durch sogenannte District Nurses zu ermöglichen – was von Neufundland bis zum australischen Busch Nachahmung fand.
Die Menschen, die sich in den Dienst dieser beiden Organisationen stellten und deren Lebenswelten in diesem Roman mithilfe einer fiktiven „Lighthouse-Nurse“ verknüpft werden, standen vor großen Herausforderungen.
Viele Leuchtturmwärter brachten ihre gesamte Familie zu ihrem Arbeitsplatz mit. Somit waren die meist abgelegenen Türme, erbaut auf zerklüfteten Küsten und windgepeitschten Inseln, nicht nur Wahrzeichen des Fortschritts maritimer Navigation, sondern auch Wohnstätten für Frauen und Kinder. Abgeschnitten von den Annehmlichkeiten der Dörfer und Städte lebten diese „Leuchtturmfamilien“ einerseits inmitten der spektakulären Schönheit der Natur, aber auch unter großen Gefahren, die insbesondere den Kindern von klein auf viel Verantwortung aufbürdete. So mussten sie nicht nur helfen, Gemüse anzubauen, Nutztiere zu betreuen und Nahrung aus dem Meer zu beschaffen – sie wurden früh in die Pflichten eines Leuchtturmwärters eingeführt: Sie lernten die Mechanismen kennen, die für das Brennen der Laterne verantwortlich waren und halfen täglich bei der Instandhaltung sämtlicher Apparate – während sie im Gegenzug auf eine systematische Schulbildung verzichten mussten.
Auch die jungen Frauen, die in Edinburgh und Glasgow zu sogenannten „District Nurses“ ausgebildet wurden, um in fernab gelegenen Regionen als Krankenschwestern, Pflegerinnen und Hebammen in Personalunion zu wirken, brauchten jede Menge Mut, Erfindungsreichtum und körperliche Kraft. Nicht nur, dass sie sich nächtlichen Wanderungen auf nebelverhangenen, unwegsamen Küstenpfaden zu stellen hatten oder gefährlichen Fahrten in kleinen Booten – ihre Unterbringung war meist mehr als dürftig: Mit dem Rattenproblem galt es ebenso fertig zu werden wie dem Fehlen von Elektrizität und fließendem Wasser.
Dennoch meisterten viele dieser Helden und Heldinnen ihre Aufgaben und blieben über Jahrzehnte eine wichtige Instanz auf den schottischen Inseln.